Pentax 645


PENTAX 645

Pentax 645
Pentax 645

Die Pentax 645 ist eine analoge Mittelformatkamera mit dem kleinsten Format von 6×4,5

Die Firma Pentax (seit 2011 ein Tochterunternehmen von Ricoh) ist, außerhalb der analogen Fotografen, nicht ganz so geläufig für Spiegelreflexkameras wie die „Kameragrößen“ Canon und Nikon. Doch vor ein paar Jahrzehnten war das ganz anders. Da war auch Pentax einer der „Großen“. Doch es waren nicht nur die Kleinbildkameras (neudeutsch Vollformat) für die Pentax bekannt war, es waren auch die Mittelformatkameras.

1969 kam die erste Pentax Mittelformatkamera im Format 6×7 auf den Markt: Die Pentax 6×7. In der Benennung der MF-Kameras war Pentax sehr pragmatisch. Diese Serie lief erst (mit insgesamt nur drei Modellen) 2010 aus. In vierzig Jahren nur drei Modelle! Da hat kein anderer Hersteller geschafft. Sie hießen Pentax 6×7, 67 und 67II. Man wusste immer, was man in der Hand hatte 😉

Im Juni 1984 (die Pentax 6×7 war 15 Jahre alt und die 67 sollte erst 1990 erscheinen), nahm Pentax das kleinste Mittelformat ins Programm 6×4,5 mit auf. Und die Kamera hieß (wen wundert’s) Pentax 645 (nicht ganz stringent, hätte jetzt eigentlich 6×4.5 heißen sollen, aber gut). Dieses System gibt es auch heute noch, selbstverständlich digital – 645Z. Aber auch analog gab es wiederum nur drei Varianten: 1. Pentax 645, 2. Pentax 645N, 3. Pentax 645NII. Das Objektivbajonett ist bis heute gleich geblieben.

Vergleichstabelle der technischen Eigenschaften
645 645N 645NII
Jahr der Einführung 1984 1997 2001
Objektivanschluss Pentax 645 A Pentax 645 AF Pentax 645 AF
Belichtungsmessbereich 3 – 19 EV 2 – 21 EV 2 – 21 EV
Belichtungsmessmethode Mittenbetont Mittenbetont, Spot Mittenbetont, Spot
Einstellbarar ISO Bereich 6 – 6400 12 – 6400 12 – 6400
Film Typ 120, 220 und 70mm 120, 220 und 70mm 120, 220 und 70mm
Anzahl der möglichen Aufnahmen 120: 15, 220: 32, 70mm: 90 120: 16, 220: 33, 70mm: 95 120: 16, 220: 33, 70mm: 95
Dateneinbelichtung, außerhalb d. Fotos Nein Ja Ja
Belichtungsprogramm P, Tv, Av, M, B, X P, Tv, Av, M, B, X P, Tv, Av, M, B, X
Belichtungskorrektur +/-3 EV +/- 3 EV in Drittelstufen +/- 3,3 EV in Drittelstufen
Belichtungsspeicher Nein Ja Ja
Belichtungszeiten 15 – 1/1000s 30 – 1/1000s 30 – 1/1000s
Belichtungszeiten manuell 15 – 1/1000s, B 4 – 1/1000s, B 6 – 1/1000s, B
Halbe Belichtungsstufen in M und Tv Nein Nein Ja
Selbstauslöser Nein Ja, 2 oder 12 Sek. Ja, 2 oder 12 Sek.
Spiegelvorauslösung Nein Nein Ja
Belichtungsreihe Nein Ja Ja
Mehrfachbelichtung Ja Ja Ja
Motor eingebaut, 1,5 Bilder pro Sek. eingebaut, 2 Bilder pro Sek. eingebaut, 2 Bilder pro Sek.
TTL Blitzen Ja Ja Ja
Blitzsync. 1/60s 1/60s 1/60s
Autofokus Nein Ja, drei AF Punkte Ja, drei AF Punkte
Autofokusmessbereich Kein Autofokus -1 – 18 EV -1 – 18 EV
Sucherbildfeld 0,75x, 92% (vert), 93% (hor) 0,76x, 92% (vert), 93% (hor) 0,76x, 92% (vert), 93% (hor)
Dioptrienkorrektur -5 – 2 -3.5 – +1.5 -3.5 – +1.5
Anzahl Wechselmattscheiben 5 5 5
Abblendhebel Ja Ja Ja
Bildgröße 41,5 mm x 56 mm 41.5 x 56 mm 41.5 x 56 mm
Batterien 6 x AA 6 x AA 6 x AA
Externes Batteriepack Ja Ja Ja
Größe (B, H, T) 147 x 109 x 117 mm 147 x 109 x 117 mm 147 x 109 x 117 mm
Gewicht 1320 gr. 1280 gr. 1280 gr.

Zur Information. Es gibt folgende mehr oder weniger verwendete Mittelformate (exotische Panoramaformate nicht mit einbezogen). Im Gegensatz zum Kleinbild 36×24 ist die tatsächliche Aufnahmegröße im Mittelformat immer etwas keiner für das Format 6×4,5 gilt 56 x 41,5 mm.

  • 6×4,5 (Pentax 645 Serie)
  • 6×6
  • 6×7 (Pentax 67 Serie)
  • 6×8
  • 6×9
  • 6×12 (Panorama)
  • 6×17 (Panorama)

Immer wird/wurde jedoch Film des Formates 120 oder 220 verwendet; für 220 Rollfim gibt es derzeit nur noch den Kodak Portra 160.

120 Mittelformatfilm
120 Mittelformatfilm

 

Hier dreht es sich nun also um die erste 645.

Wir schreiben das Jahr 1984, der erste iMac wird präsentiert, erste PC‘s kommen langsam in die Haushalte. Das Internet wie wir es heute kenne, gibt es noch nicht und der Autofokus bei Kameras hält erst vereinzelt Einzug in die Kameras. Analoge Fotografie wird immer populärer für die breite Masse. In Großlaboren gibt es neue Maschinen, die dem Amateur, schönere, gesättigte und nachgeschärfte Aufnahmen präsentieren, ein Fluch, der in der digitalen Ära zu sinnlosen Auswüchsen führte und immer noch führt.

Pentax präsentiert eine Mittelformatkamera, die keinen Spannebel/Drehknopf braucht. Zu dieser Zeit, ist das noch nicht ganz unüblich, dass im MF-Segment zwei Hebel/Knöpfe gedreht werden müssen, um getrennt Verschluss zu spannen und Film zu transportieren oder zweimal ein Hebel zu drücken. Sie hat einen eingebauten Motor, der auch in den Kleinbildkameras schon seinen Siegeszug angetreten hat. Kameras ohne Motor zu produzieren wird zur Ausnahme werden. Sie ist eine elektronische Kamera, mit halb automatischen bzw. vollautomatischem Aufnahmeprogramm. Bei Ihrem Erscheinen ist sie die schnellste MF-Kamera der Welt, sie macht 1,5 Bilder pro Sekunde im Serienbildmodus „C“ (continuous), die 645n steigerte dies auf 2 und war wiederum die Schnellste; doch immer wieder durch die Konkurrenz eingeholt. Selbst heutzutage ist die digitale 645Z eine der schnellsten MF-Kameras.

Ich persönlich mag eingebaute Motoren in analogen Kameras nicht. Ich brauche das haptische Vergnügen vom Drehen, Ziehen, Drücken. Aber auf der anderen Seite mag ich keine Kameras ohne Zeitautomatik, hinzukommt, dass ich mir auch keine sehr teuren analogen Kameras leisten kann, die, ohne Objektive, irgendwo jenseits der 1.000 € liegen. Ferner liebe ich es durch sehr helle Prismen zu schauen. Das ist auch ein k. o. Kriterium. So bleiben schlussendlich nicht viele MF-Kameras übrig und man muss halt Kompromisse schließen. Die Pentax 645 ist zudem die günstigste Mittelformatkamera mit Zeitautomatik und einem sehr hellen Prismensucher auf dem Gebrauchtmarkt. Heller als die Mamiya, Contax und Rollei AE-Prismensucher zu dieser Zeit. Hatte ich schon erwähnt, dass der Sucher das Wichtigste für mich ist. Sehr hell, mit einem sehr guten Prismenring und einem sehr guten Schnittbildindikator, das ist ein optimaler Sucher für mich!

Sehr gut erhaltene Pentax 645 gibt es bereits ab ca. 280€ (Stand 2016), etwas benutzte schon ab 180€. Nicht zu verachten sind die Angebote aus Fernost. Koreaner und Japaner sind gute und ehrhafte Verkäufer (bitte achten Sie bei denen aber sehr exakt auf die Fotos)! Der Versand ist extrem schnell. Meine kam aus Korea innerhalb von zwei Tagen! Benötigte aber noch fünf weitere beim deutschen Zoll 😉 Und ein Zoom noch mal für 250€. Oder eine 75mm 2,8 Festbrennweite ebenfalls.

Ihre Nachfolger hatten 1997 (645N) und 2001 (645NII) einige Veränderungen zu bieten, was die Bedienelemente und neue Features betraf. Aber die größte „Neuigkeit“ war, dass es nun Autofokuskameras waren. Eine Überlegung von mir war, die neueste 645NII zu holen, denn man konnte die günstigen manuellen Objektive selbstverständlich weiterhin nutzen, das System ist abwärtskompatibel. Hier liegt aber der Teufel im Detail, denn die Nachfolgerinnen hatten keine Mattscheiben mehr die sowohl den Schnittbildindikator, als auch den Prismenringe hatten. Man muss sich also entscheiden, entweder man nimmt eine mit dem Schnittbildindikator (AB-82), oder die mit dem Mikroprismenring (AA-82). Bedauerlichweise ist das ein k. o. Kriterium für mich. Also blieb es dann bei der 645.

Für die heutige Zeit müssen die Unzulänglichkeiten der ersten Version aber klar genannt werden.

  1. Es gibt keine Drittel oder halben Belichtungsstufen, nur über ISO-Stufen als indirekte Belichtungskorrektur nutzbar.
  2. Es gibt keine Belichtungsspeicherung.
  3. Es gibt keinen Selbstauslöser.
  4. Es gibt keine Spiegelvorauslösung.
  5. Ein Mako aller analogen Pentax 645: Nur 93% sichtbares Bildfeld im Sucher, d. h. links/rechts und oben/unten ist immer etwas mehr drauf als man sieht.

Anders als Kleinbildkameras, wiegen MF naturgemäß von „etwas“ bis „erheblich“ mehr. Meine 645 mit meinem Lieblingsobjektiv 80-160mm (auf KB gerechnet ca.: 50-100mm) bringt stolze 2,5 kg in die Hände.

Pentax 645 mit 80-160mm Objektiv
Pentax 645 mit 80-160mm Objektiv

Das ist schon schwer. Doch ihr zugutehalten muss man, dass Pentax einen ausgezeichneten, ergonomischen seitlichen Handgriff an der 645 angebracht hat. Zudem ist die Gummierung sehr angenehm mit Ihrem Rautenmuster.

Handgriff der Pentax 645
Handgriff der Pentax 645

Das macht längeres Halten, zumindest für mich, problemlos. Es gibt aber auch Befestigungen für einen Kameragurt. Ich hab das ausprobiert, meine Nackenmuskulatur scheint dem nicht länger als 30 Minuten, standhalten zu können.

Anders als bei den meisten MF-Kameras, hat die Pentax 645 kein Wechselmagazin. Das bedeutet, man muss den ganzen Film durchfotografieren und kann nicht zwischendurch wechseln. Bei nur 15 Aufnahmen ist das aber zu verschmerzen. Interessantes Detail dabei ist, dass sie eine der wenigen Kameras ist, die „nur“ 15 Aufnahmen im 6×4,5 Format macht und nicht 16, wie Ihre Nachfolger oder andere 6×4,5 Kameras. Aber es gibt noch ein paar Andere, die ebenfalls nur 15 machen. Ein Gerücht besagt, dass man bei Pentax 1984 technisch noch nicht in der Lage war, über den Motor so präzise zu arbeiten. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht. Überdies hinaus ist man bei Pentax sehr bemüht, nichts mehr mit der Vergangenheit und analogen Kameras zu tun zu haben. Man wird sehr harsch damit konfrontiert, dass man keinen Support mehr für analoge Kameras bietet. Das schließt auch reine Informationen ein. Das Motto ist: Keine Fragen, keine Antworten! Zum Teil liegt dies auch darin begründet, das Pentax inzwischen keine Leute mehr hat, die dieses Wissen noch haben! Andere Firmen gehen da etwas gelassener mit um und bieten auch noch Bedienungsanleitungen für Kameras an die 40 Jahre alt sind (Canon z. B.).

Das Magazin ist auch nicht drehbar, um im Hochformat aufzunehmen. Doch die Kamera hat dafür einen zweiten Stativanschluss, den man verwenden kann. Bei der Verwendung von Kugelköpfen ist dies jedoch weitgehend ohne Belang.

Pentax 645 Linke Seite Body mit Stativanschluss
Pentax 645 Linke Seite Body mit Stativanschluss

Die Magazine sehen, gerade was die Rollen angeht, zierlich aus. Sie sind aber robust gebaut. Weder muss man Bedenken haben das man die Filmandruckplatte verschmutzt, noch schafft man es z. B. die Rollenaufhängungen zu verbiegen. Dennoch liegen mir Nutzermeldungen aus Amerika vor, dass einige in ihren Kameras nicht funktionierten.

Diese Stabilität zieht sich durch den ganzen Body weiter. Mittelformatkameras nach dem Kriege, sind bedingt durch den Nutzerkreis, sehr viel stabiler, robuster und langlebiger gebaut worden als Kleinbildkameras. Zwar schielte Pentax mit Ihrer 645 Serie in der Werbung auch auf solvente Amateure, doch größtenteils fand sie bei Berufsfotografen Verwendung.

Interessantes Detail ist der Antriebsmotor im Gehäuse. Hier wurden Samarium-Kobalt-Magnete verbaut. Auch heute noch sind diese sehr teuer! Eine Legierung aus „seltenen Erden“. Sie sind extrem langlebig und haben eine sehr hohe magnetische Energiedichte, dass wiederum hat einen positiven Einfluss auf die Laufeigenschaften des Motors. Lt. Aussage von Pentax wurde gerade mechanisch sehr viel Wert auf Langlebigkeit gelegt. Das erklärt, warum es wieder oder immer noch, eine recht große Nutzer- und Fangemeinde (besonders in den USA) gibt, die nicht von vielen Problemen berichtet.

Mit Elektronik ist sparsam umgegangen worden, wir finden in dem MF-Body teilweise weniger elektronische Platinen, Kondensatoren und Widerstände als in KB-Kameras der gleichen Jahre. Aber selbstverständlich ist sie nicht für so harte Einsätze konzipiert worden, wie z. B. eine Canon New F-1 oder Nikon F3.

Sucher

Der Sucher (Kepplerscher Teleskopsucher) und das Prisma, sind für eine MF-Kamera, zum ersten Mal extrem kompakt gebaut worden. Das hängt mit den neuen großen technischen Möglichkeiten im Optikbau zusammen. Sucher und Objektive wurden in den Achtzigern stark verbessert, da die Computer in der Objektivrechnung (mit dem Raytracing) verstärkt Einzug hielten. Im Gegensatz zu anderen MF-Prismen anderer Hersteller, sind die Pentax Sucher heller und auch durch die hervorragenden Mattscheiben klarer. Ehrlicherweise muss man aber dazu sagen, das konnte Pentax auch nur so gut gelingen, weil es kein Wechselsucher sein musste. So hatte man viel mehr Möglichkeiten mit einem Integrierten, als bei einem Suchersystem, das man öffnen/wechseln kann.

Bei einer Mittelformatkamera ziemlich einzigartig ist hier die Dioptrienkorrektur. Ich kenne nur die Mamiya 645 Pro TL mit dem AE Reflexsucher, die einen noch größeren Bereich als den von -5 bis +2 abdeckt (Mamiya -5 bis +5). Die 645N hatte auch nur noch -3,5 bis 1,5.

Da mir die originale Augenmuschel und der Ring nicht zusagten,  habe ich kurzerhand eine von der Pentax 67 genommen.

Im Inneren, geht es sehr puristisch zu. Es gibt eine LED Anzeige, die die Belichtungszeit und die Blende anzeigt. Bei Belichtungskorrektur gibt es noch ein kleines + oder -.

Strom

Im Handgriff sind sechs AA-Batterien untergebracht. Die halten sehr lange. In jedem Supermarkt zu bekommen. Was will man mehr.

Achten Sie darauf, das Sie die Batterien mit Ihren + und – Polen korrekt einsetzen, das ist sehr durcheinander! Wenn Sie das Batteriemagazin entnehmen wollen, ist es ratsam, das Magazin mit dem Handballen etwas einzudrücken, oder besser mit dem Daumen und dann erst den Verriegelungsknopf zu betätigen. Dieser ist nun leichter in Pfeilrichtung zu schieben, ansonsten ist das etwas unter Spannung. Am Handgriff gibt es auch den Anschluss für das optionale externe Batteriepack; vielfach wird im Netz geschrieben, das dieser erst ab der 645N vorhanden ist. Das stimmt nicht!

Pentax 645 - Anschluss für externes Batteriepack
Pentax 645 – Anschluss für externes Batteriepack

 

Direkt neben dem Stativanschluss gibt es eine Abdeckung mit zwei kleinen Löchern. Da ist die Pufferbatterie drunter, für die Wertespeicherung. Sie können erkennen, dass diese nicht durch den „normalen“ Nutzer austauschbar ist. Man benötigt extra Werkzeug dafür!!! Was soll das??? Nun, zwar kann jeder Uhrenbatterieservice dies tun aber man muss auch mit der Kamera dahin.

Pentax 645 - Unterseite
Pentax 645 – Unterseite
Das Kameragehäuse

Zum Kameragehäuse gehört der Kameragriff streng genommen nicht. Er ist abschraubbar.  Das Gehäuse ist komplett aus Kunststoff, das Chassis ist allerdings aus Stahl.

Pentax 645 - Grafische Skelettdarstellung
Pentax 645 – Grafische Skelettdarstellung

 

Es ist zwar ein sehr harter Kunststoff, dennoch bleibt es Kunststoff und gerade auf den großen Flächen oberhalb des Prismas, können Kratzer unschön wirken.

Pentax 645 - Oberflächenkratzer
Pentax 645 – Oberflächenkratzer
Steuerung

1984 war es wohl modern Tipptasten zu verwenden, naja …. Es ist etwas umständlich für Werteänderungen immer zwei Tasten zu drücken. Will man z. B. die ISO-Zahl verändern, muss man die Taste ISO drücken und gleichzeitig dann die Pfeiltasten hoch oder runter. 1997, 13 Jahre später, kamen mit der 645N wieder Drehknöpfe ins Design. Man kann sich dran gewöhnen, ich weiß zwar nicht wie, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Es gibt einen Schalter, der mit On / Off abgebildet ist. Wer glaubt damit schaltet man die Kamera ab, täuscht sich. Er dient ausschließlich dafür, den Auslöserknopf zu deaktivieren. Die Kamera ist tatsächlich nie komplett aus, allerdings verbraucht sie so wenig Strom, dass dies vernachlässigbar ist. Das Meßsystem der Kameras schaltet sich nach 30 Sekunden selbsttätig ab. Die Werte und Modi, die man eingestellt hat, werden nicht durch die sechs AA-Batterien gespeichert, dafür ist die vorhin erwähnte Puffer Lithiumbatterie im Boden der Kamera zuständig. Die LED Anzeige bleibt jedoch an, solange Batterien im Griff sind. Mit einem Satz frischer Alkali-Mangan Batterien sollen 100 Rollen belichtet werden können. Ich selber nutze Eneloops 1,2 Volt (wiederaufladbare Langzeitakkus), die halten nicht ganz so lange.

Pentax 645 - Bedienelemente
Pentax 645 – Bedienelemente
Belederung

Sie ist relativ irrelevant, Ihre Hände werden Sie bei normaler Haltung, gar nicht berühren. Ihre Hand sollte unter der Kamera sein. Sie ist relativ hart, es gibt Kameras die in einem schlechten Zustand angeboten werden, hier ist auch öfters zu sehen, dass sie dann nicht mehr gut klebt. Bei der 645N wurde sie druch eine erhbelich glattere ausgetauscht, hier ist dann auch der Handgriff nicht mehr mit der groben Struktur versehen, ein Nachteil wie ich finde.

Trotz dieser ganzen Hindernisse macht es mir viel spaß, mit ihr zu fotografieren. Ich habe nur zwei Objektive: Einmal das Pentax-A SMC 645 80-160mm 1:4,5, Pentax-A SMC 645 45mm 1:2,8. Das Varioobjektiv ist auf das Kleinbild gerechnet ein ca. 50-100mm mit der Schärfentiefe eines 2,8’ers und das 45’er ein 28‘er mit der Schärfentiefe eines 1,8’er. Das ist für mich erst mal ausreichend. Im Grunde genommen ist die Pentax 645 auch nur ein Zwischenschritt bis ich genug Geld zusammen habe, um mir eine Pentax 67II zu holen. Wenn Sie einmal mit einem größeren Format anfangen, kann es passieren, dass Sie immer noch größere Formate wollen 😉

Das Fokussieren durch den, wie erwähnt, sehr hellen Sucher, ist ein reines Vergnügen. Schnittbild und Prismenring sind erstklassig! Aufpassen muss man möglicherweise mit der Dioptrieneinstellung, diese verstellt sich gerne einmal (obwohl sie sehr schwergängig ist), es kann aber sein, dass dies nur bei meinem Exemplar der Fall ist. Haben sie jedoch Objektive mit „Lichtstärken“ von 5,6 wird es sehr dunkel, leider eine Schwäche bei alten Kameras. Abhilfe verschaffen spezielle Suchermattscheiben die extra für lichtschwache Objektive konstruiert wurden.

Das Wechseln des Films geht, wie immer, mit ein wenig Übung sehr schnell vonstatten. Nur wenn es eisig ist und die Finger steif sind, dann kann es zur Herausforderung werden, den Anfang des Filmes, in die Leerspule einzuwickeln.

Pentax 645 - 120 Magazin
Pentax 645 – 120 Magazin
Pentax 645 - 120 Magazin
Pentax 645 – 120 Magazin

 

Leider besitzt sie keinen Selbstauslöser, so das man Selfies nicht so einfach machen kann. Abhilfe schafft ein mechanischer Selbstauslöser:

Pentax 645 - mechanischer Selbstauslöser
Pentax 645 – mechanischer Selbstauslöser

Dieser hier ist ein alter von Pentacon (mit Bulbfunktion). So alte Selbstauslöser waren in den 50’er und 60’er relativ häufig anzutreffen. In dieser Zeit waren die Auslöser jedoch rein mechanisch und relativ schwer zu drücken. Mit Einzug der Elektronik wurden meistens Magnetventile unter die Auslöser gebaut. Das machte unter anderem das Drücken leichter, das bedeutet aber gleichzeitig, dass der Druckweg auch kürzer wurde. Nun waren diese Selbstauslöser aber noch aus der alten Zeit und hatten entsprechend einen langen Stift, zu lang für die „modernen“ Kameras. Der Stift musste gekürzt werden.

Mehrfachbelichtung

Im Grunde äußerst einfach realisiert. Die Kamera ist aufnahmebereit, jetzt drehen Sie die kleine Schraube an der linken Seite, mit der Daumenspitze, einfach drauf drücken und drehen. Das war’s. Der Film wird für eine Aufnahme nicht weiter transportiert.

Schlusswort

Im Wesentlichen fotografiere ich mehr DIA als Negativ. Ihre Belichtungsmessung ist sehr präzise, obwohl ihr Drittelstufen fehlen. Bei Gegenlichtsituationen oder einer sehr starken sehr kleinen Lichtquelle ist die mittenbetonte Belichtungsmessung überfordert. Mit ein wenig Erfahrung kann man das mit der Belichtungskorrektur, sehr zuverlässig kompensieren.

Sie ist absolut alltagstauglich und ich verwende sie ausschließlich draußen. Ich kann sie lange in der Hand halten und durch die gedämpfte Spiegelhalterung ist sie auch noch relativ leise. Für meinen Geschmack könnte sie lauter sein.

Wer nicht so viel Geld für eine Hasselblad und Co. hat, Belichtungsautomatiken zu schätzen weiß, eine reichhaltige Objektivauswahl haben möchte und einfach nur bequem Mittelformat fotografieren will: Pentax 645!

Drum prüfet wer sich ewig bindet!

Haben Sie eine Kamera von einem Händler, müssen Sie sich weniger Sorgen machen, das Sie die Katze im Sack gekauft haben. Der Händler hat die Verpflichtung zur gesetzlichen Gewährleistung auch bei Gebrauchtware. Ist nichts in den AGB explizit vereinbart: 2 Jahre, der gewerbliche Händler kann diese Frist allerdings auf 1 Jahr herabsetzen, diese kann aber auch wegfallen, wenn die Ware für eine Privatperson verkauft wird und der Händler nur sein Regal zur Verfügung stellt (er bekommt selbstverständlich eine Provision).

  • Die Dichtungen. Bei dem heutigen Alter sind die meisten aller Pentax645 zersetzt. Haben Sie Neue drin, sind diese vermutlich bereits einmal erneuert worden. Aber selbst ohne Dichtungen, ist die Filmkammer lichtdicht, denn die Kamera hat Labyrinthspalte, da ist ein hohes Maß an Lichtdichtigkeit gegeben, weil das Magazin derart in den Body abschließt, dass kein Licht einen Weg in das Innere findet. Nur wenn Sie ganz ohne Dichtungen mit einer sehr hellen Taschenlampe direkt an die Spalte gehen, kann Licht eindringen. Die Spiegeldämpfung vorne, ist, wenn sie nicht jeden Tag mit Serienbildaufnahmen fotografieren, verschmerzbar. Neue finden sich aber zur Genüge im Internet und sind, mit etwas Fingergeschick, spielend zu ersetzen.
  • Die Verschmutzung des Spiegels, der Mattscheibe, des Suchers, die Sichtfenster der LCD Anzeige, der Filmkammer, der Öffnungen im Boden (vorher aufschrauben).
  • Die Abdeckschrauben sollten vorhanden sein.
  • Die Gängigkeit des Abblendhebels.
  • Das Batteriefach mit Deckel, es sollte im geschlossenen Zustand nicht klappern.
  • Noch mal das Batteriefach (akzeptieren Sie keine Kamera in der einmal eine Batterie ausgelaufen war. Oxidationsschäden können mit erheblich zeitlichem Verzug auftreten!).
  • Die Spiegelkammer, die matte schwarze Farbe sollte nicht abgerieben sein.
  • Kaufen Sie die Kamera privat, lassen Sie sich schriftlich ein Rückgaberecht einräumen um die Kamera auf Fehler zu überprüfen.
  • Und als Wichtigstes, der Verschlussvorhang. Öffnen sie die Rückwand, lösen Sie aus und schauen sie auf das Tuch.

Nehmen Sie das Magazin und Objektiv ab, stellen den Schalter auf C und halten Sie den Auslöser für eine halbe Minute gedrückt. Jetzt feuert die Kamera ordentlich ab, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten in der Mechanik geben sollte, spätestens jetzt sollten Sie es merken.

3 Gedanken zu “Pentax 645

  1. Jakob 1. Dezember 2016 / 19:31

    Hallo,

    ein sehr interessanter und informativer Beitrag! Wissen Sie zufällig was seinerzeit die 645 als Neugerät gekostet hatte? Ich habe danach gegoogelt aber keine Informationen darüber gefunden.

    Beste Grüsse
    Jakob

    Gefällt mir

    • C K 1. Dezember 2016 / 20:04

      Der erste Post war falsch 😉
      Ca. 2.200 Euro

      Gefällt mir

  2. Jakob 1. Dezember 2016 / 23:51

    Besten Dank für die schnelle Antwort!

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