Der fotografische Blick


Wissen wie ich was fotografiere

In diesem Buch geht es nicht um Ihre Kamera und deren technischen Einzelheiten und Möglichkeiten, hier geht es nur um das Bild an sich. Psychologie des Auges könnte man auch sagen.

Sie werden motiviert darüber nachzudenken, wie Sie etwas fotografieren wollen, und ich garantiere Ihnen, danach wird sich Ihre rein quantitative Anzahl an Bildern merklich reduzieren, zu Gunsten der Qualität. Sie werden auch nicht mehr irgendetwas fotografieren (sofern Sie das bisher überhaupt taten). Sie werden anfangen sich über Ihr Motiv, über Ihr Bild, Gedanken zu machen.

Stichworte wie Dynamik, Spannung, Bildkomposition, Intention (was will ich überhaupt), Entstehungsprozess und auch die formalen Bedingungen wie Designgrundlagen, Balance eines Bildes, Hintergrund, Tiefenschärfe, Perspektive und so vieles mehr werden erörtert, verständlich dargestellt und in Zusammenhang gebracht. Damit Sie später diese Dinge erkennen und selber im Bild festhalten können.

Wie wirken sich z. B. horizontale Linien auf den Betrachter aus und müssen schräge Linien von links nach rechts gehen oder umgekehrt. Wie kann ich Schatten sinnvoll zur Geltung bringen, darf ich auch unscharfe Bilder machen? Soll ich mein Motiv in s/w oder in Farbe ablichten, welche Regeln gelten für s/w und Farbe, low-key/high-key usw.

All diese Dinge stellt der Autor auch in Bildern dar, er beschreibt, was auf dem Bild passiert. Was ich sehr interessant finde, einigen Bildern sind Linien aufgemalt, sie deuten die Bewegungen des Auges an. Was betrachtet unser Auge als Erstes und wie wandert es über das Bild, und schlussendlich sagt er, warum das Auge es so wandert. Ich war begeistert davon wie eine normale Treppe an einem kleinen Berg den Betachter fesseln kann wenn die Position und der Schnitt stimmt; so einfach, doch wissen muss man es!

Zwar ist Freeman ein Gegner von nachträglichem Beschneiden des Bildes, doch zumindest gibt er einem Hinweise darauf, wie man es richtig macht, wenn es denn sein muss ;-) Nicht ohne den Hinweis zu geben, wie man es im vornherein hätte vermeiden können.

Er erfindet diese Dinge nicht neu, es gibt gewisse Grundlagen schon viel länger, doch er erklärt sie auf eine sehr prägnante Art und Weise, sodass man für sich selber etwas dabei auch lernt.

Die Kapitel gliedern sich grob wie folgt:

Der Rahmen des Fotos. Z. B. wie wirkt ein normales Querformat auf uns und was ist eigentlich der goldene Schnitt?

Designgrundlagen; hier driften wir beim Lesen in den Bereich von Grundlagen, die sich auch in der Malerei und Illustration wiederfinden, ab. Was können wir von Rembrandt, van Gogh usw. lernen. Scherz beiseite, Freeman zeigt uns, wie der Betrachter sich in unserem Bild wohlfühlt, wenn wir gewisse Normen einhalten.

Grafische und fotografische Elemente. Warum haben Kreise eine andere Wirkung als Dreiecke. Linien sind keine Kurven und vieles mehr.

Licht und Farbe. Das Wichtigste am Bild. Ohne Licht kein Bild… welche Farben (bewölkter Himmel am Mittag hat eine andere Farbe als Sonne am Nachmittag) passen zum Motiv. Hier bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich auch einmal kein Bild mache, wenn ich ein tolles Motiv gefunden habe, das ist in der Tat auch schon passiert. Ich bin dann zu einer anderen Tageszeit hingegangen und siehe da, eine ganz andere Atmosphäre.

Die Intention (Absicht). Nun dürfen Sie Ihren Gedanken freien Lauf lassen. Mach ich das Foto nur für mich, wird es anderen auch gezeigt, will ich es kunstvoll gestalten oder werde ich keine Zeit haben sondern „nur“ dokumentieren. Will ich etwas im Foto zur Geltung bringen, lasse ich die Details weg etc. Auch wird die Frage auftauchen, muss ich das jetzt überhaupt fotografieren, nur weil die Anderen in der Gruppe es auch machen (taucht oft bei gemeinsamen Shootings oder Wanderungen auf).

Das letzte Kapitel ist wohl das abstrakteste. Ich las es gleich zweimal. „Der Entstehungsprozess“ was kann in Ihrem Kopf vorgehen. Das zielt aber bereits auf erfahrenere Fotografen ab. Hier wird erörtert, wie vergangene Bilder Sie beeinflussen und wie Sie selber Bilder oder Szenen betrachten. Etwas schwer zu erklären, Stichworte sind: Die Suche nach Ordnung, die Jagd, Reaktion, Vorahnung, Rückkehr, Nachbearbeitung usw.

Dieses Wissen ist nicht mehr exklusiv Fotografen vorbehalten. Wissen pur und durch die hervorragende Übersetzung ins Deutsche wirklich flüssig lesbar. Nach dem ersten Durchlesen legen Sie das Buch weg und fotografieren, ein Monat später lesen Sie es nochmal, Sie werden verwundert sein über sich selbst und im Buch wieder neue Dinge entdecken und Dinge anders sehen aber auch Ihre eigene Entwicklung bei der Qualität bestaunen können.

Es kann passieren, dass Sie mitten in der Stadt beim Bummeln sich wünschten, Ihre Kamera dabei zu haben, weil Sie auf einmal etwas „sehen“, woran Sie vorher immer wieder, einfach vorbei gegangen sind.

Ein Buch für „ambitionierte“ Fotografen, die noch tiefer einsteigen wollen und sehen möchten wie ein Fotograf!

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